Bürgerforum „Gesundheit in Bünde“

„Wie steht’s eigentlich mit der Pflege in Bünde?“ hatte die SPD kürzlich in ihrem vierten Bürgerforum zum Thema „Gesundheit in Bünde“ gefragt. Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Nicht schlecht. Es gibt eine Vielzahl von kirchlichen, gemeinnützigen und privaten Dienstleistern, die ein auf individuelle Bedürfnisse abgestimmtes Pflegeangebot bereit halten. Natürlich gibt es Wünsche für die Zukunft und erkennbare Risiken, aber im westeuropäischen Vergleich kann sich die Qualität der Pflege in Deutschland wie auch in Bünde durchaus sehen lassen.

Zu diesem Gesamturteil kam im Saal der Gaststätte „Zur Klinke“ ein fachkundiges Podium mit Vertretern der Diakonie, der Arbeiterwohlfahrt und des privaten Trägers Bonitas Holding.
Der Geschäftsführer der neun Diakoniestationen des Kirchenkreises Herford, Michael Schoenfeld, hatte eingangs mit einigen Zahlen die Dimension des Thema Pflege erläutert. Nach seinen Berechnungen gibt es aktuell 10.181 Pflegebedürftige im Kreis Herford. Das sind 19 Prozent mehr als noch 2015. Aufgrund der älter werdenden Gesellschaft ist mit einer weiteren Steigerung des Pflegebedarfs zu rechnen. Beim Versorgungsgrad liegt Bünde kreisweit im Mittelfeld, deutlich erkennbar ist ein innerstädtisches Nord-Süd-Gefälle. Die Diakonie versorgt mit ihren beiden Stationen in Bünde jährlich 819 Menschen. 380 Plätze werden stationär bereit gehalten, in ambulant betreuten Wohngruppen finden 24 Personen Platz. Die Angebote zur Kurzzeitpflege ist seit 2015 von 47 auf 72 Plätze gestiegen. Auch bei der Tagespflege hat sich die Nachfrage mehr als verdoppelt und liegt aktuell bei 27 Plätzen. Mit der Pflegeberatungsstelle im Rathaus und einer weiteren der Krankenkasse IKK Classic existieren vor Ort zwei Anlaufstellen, bei denen Bürgerinnen und Bürger sich lange vor einem Akutfall im Detail kostenfrei erkundigen können.

In der anschließenden Fragerunde wurden zentrale Elemente des Themas angesprochen, zum Beispiel die Nachwuchsförderung. „Es gibt zu denken“, so der Geschäftsführer von bonitas, Lars Uhlen, „dass Pflegerinnen und Pfleger durchschnittlich nur 9,1 Jahre im Beruf bleiben. 3,1 Millionen Arbeitskräfte haben aus unterschiedlichen Gründen den Pflegebereich verlassen.“ Natürlich habe das auch mit der Bezahlung zu tun, aber noch wichtiger seien fehlende Wertschätzung und ungünstige Arbeitsbedingungen. Das Image des Pflegeberufs müsse gesellschaftlich aufgewertet werden. Viele junge Leute möchten heute lieber studieren als schwere körperliche Arbeit leisten. „Viele wissen gar nicht, dass man eine Pflegeausbildung sehr gut mit einem Studium verbinden kann“, sagte Birgit Brinkmann, Prokuristin der AWO-Service gGmbH.
Ihr Kollege Gerd Meyer, Prokurist bei den Diakoniestationen, ergänzte: „“Ich weiß gar nicht mehr, wie viel Kostendämpfungsgesetze im Gesundheitswesen ich mitgemacht habe, jedesmal hatten wir hinterher weniger Personalmittel für mehr Aufgaben. So kann das nichts werden.“
Können Pflegekräfte aus dem Ausland eine Lösung sein? Hier war die Meinung der Experten eher skeptisch. Zum einen weil damit die Pflegesituation in den Herkunftsländern geschwächt würde, zum zweiten wegen unzureichenden oder gar ganz fehlenden Sprachkenntnissen. „Pflege ist Beziehungsarbeit“, sagte Lars Uhlen, „und funktioniert nur wenn beide Seiten wechselseitig Vertrauen aufbauen können.“
Hilfe erhoffen sich die Fachleute bei der wachsenden Digitalisierung und dem Einsatz von Computertechnik in der Pflege, etwa bei Hebevorgängen mit Patienten. Keineswegs aber könne ein Roboter eine menschliche Pflegekraft ersetzen wie es teilweise in japanischen Altenheimen praktiziert werde.
Gefragt nach einem Wunsch an die Rathäuser im Bünder Land antwortete Gerd Meyer: „Hilfreich wären natürlich gesonderte Parkplätze für unsere Kleinwagen in dicht besiedelten Wohngebieten. Dann könnten wir so manches Knöllchen sparen. Auch würden wir den Fuhrpark auf E-Autos umstellen, aber dazu müsste zunächst die entsprechende Infrastruktur vorgehalten werden.“